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Rund 200 Gäste des Zukunftszentrums trafen sich in der großen Siedehalle der Saline.

Das Programm nimmt Form an: Jahresempfang des Zukunftszentrums

Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung, Wissenschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und Presse nahmen, neben Neuigkeiten zum Aufbauprozess des Zukunftszentrums, auch zahlreiche Denkanstöße aus dem liebevoll gestalteten Ideenbuch des Zukunftszentrums mit.

Einstieg in den Abend waren zunächst etwa zwei Dutzend kurze Fragen, die Moderatorin Dr. Sarah Alberti parat hatte. In einer blitzschnellen Runde beantwortete das Publikum per Handzeichen teils ernste („Wer macht sich gerade richtig Sorgen um die Demokratie?“) und heitere Fragen („Wer badet nackt in der Ostsee?“). Ein ungewöhnliches Warm-up mit Unterhaltungswert und Aha-Momenten: Fast alle Gäste sind Mitglied in einem Verein. „Kaufhalle“ statt „Supermarkt“ sagen nur noch wenige – der Oberbürgermeister von Halle (Saale) gehört allerdings dazu.

Die Impulse aus dem Ideenbuch – einige schmückten auf farbigen Bannern den Saal – waren das verbindende Element der Gespräche und Beiträge auf der Bühne. 

Den Kern des Zukunftszentrums traf Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland direkt im ersten Grußwort: „Geschichte ist eine wichtige gesellschaftliche Ressource. Sie stiftet Identität und gibt Orientierung, gerade in schwierigen Zeiten. Vor allem aber richten wir unsere Gegenwartspläne und Zukunftsbilder an den Erfahrungen der Vergangenheit aus.“

Kaiser betonte die Notwendigkeit eines sicht- und begehbaren Ortes, der die Transformationserfahrungen der Ostdeutschen als Ressource begreift. Ein solcher Ort entstehe mit dem Zukunftszentrum. „Der Bund steht fest hinter diesem Projekt“, unterstrich sie und zeigte sich gespannt auf das, was in den kommenden Jahren wachsen wird.

Auch Dr. Lydia Hüskens, Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt, sprach sich für eine aktive Nutzung von Transformationserfahrungen aus. „Wenn das Zukunftszentrum dazu einen Beitrag leisten kann, ist es jeden Euro wert.“ Es brauche dringend eine positive Zukunftserzählung, denn gerade in den Umbrüchen lägen Kräfte, die helfen können, künftige Krisen zu bewältigen.

Halles Oberbürgermeister Dr. Alexander Vogt verwies auf die konkreten Erwartungen vor Ort – insbesondere mit Blick auf Infrastruktur und Kaufkraft. Der Riebeckplatz, auf dem der Neubau entstehen werde, erhalte ein komplett neues Gesicht und solle die Attraktivität der Stadt deutlich steigern. Bis 2030 werde rund eine Milliarde Euro in die Stadt investiert. Die Entscheidung für Halle habe, so Vogt, den „Aufschwung manifestiert“.

Das Projekt kommt voran

In der Saline erinnerten helle Stoffbahnen an die aufschwingende Form des architektonischen Siegerentwurfs von RICHTER MUSIKOWSKI Architekten. Sie spannten sich über das Publikum und bildeten damit ab, wie das Haus später wirken soll: wie ein Pavillon im Park, der zukünftig den Riebeckplatz mit Leben erfüllen wird. Auch wenn die detaillierten Planungen für den Bau erst starten, nimmt das Zukunftszentrum inhaltlich bereits jetzt Fahrt auf. 

Wohin geht die Reise langfristig – und worauf können wir uns schon in diesem Jahr freuen? Diese Fragen bestimmten das Podiumsgespräch mit Andrea Wieloch, Leitung Ausstellung, Dialog und Kultur, und dem kaufmännischen Geschäftsführer Holger Lemme. Sie gaben spannende Einblicke in den Aufbau einer völlig neuen Bundeseinrichtung.

Die Aufgabe ist klar umrissen, das Zukunftszentrum wird ein Ort für die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands und Europas. Aktuell zählt das Team zwölf Personen, bis Jahresende sollen es 30 sein. Nach dem Aufbau administrativer Strukturen habe nun die inhaltliche „Werkstattphase“ begonnen: Formate werden erarbeitet, Themen geschärft sowie Konzepte erprobt, ausgewertet und weiterentwickelt. Dabei fließen sehr verschiedene Perspektiven ein. Die hallesche Initiative „Zivilgesellschaft baut Brücken“, aus deren Reihen Mitglieder im Publikum saßen, ist bereits eingebunden. Kinder und Jugendliche sollen über das noch zu gründende Junge Zukunftszentrum eigene Impulse einbringen.

Konkrete Veranstaltungen

An der künftigen Dauerausstellung wird bereits gearbeitet, erläuterte Wieloch. Die friedliche Revolution von 1989 solle dabei nicht symbolisch, sondern als Moment intensiver gesellschaftlicher Selbstwirksamkeit verhandelt werden. Transformation werde differenziert erzählt, auch im Austausch mit bestehenden kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen und Initiativen. Lemme ergänzte, der gesellschaftliche Umbruch sei in Europa nicht einheitlich verlaufen, gerade die Unterschiede müssten sichtbar gemacht werden.

2026 starten erste Veranstaltungs- und Beteiligungsformate in Halle (Saale). Einer der Höhepunkte wird der „Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“ am 17. Oktober im neuen theater. Zudem entsteht mit einem Escape Room zur Ausweglosigkeit von Transformation ein spielerischer Ansatz, Geschichte erfahrbar zu machen. In der zweiten Jahreshälfte ist auch eine wissenschaftliche Fachtagung geplant. Außerdem werden beratende Gremien für das Zukunftszentrum aufgebaut. 

Im laufenden Jahr werden Workshops für Kinder und Jugendliche erarbeitet, die deutschlandweit junge Menschen einbeziehen. 2027 werden sie und Jugendliche aus europäischen Nachbarländern zu einer internationalen Sommerschule nach Halle (Saale) eingeladen. Überhaupt sollen lokale, regionale, bundesweite und europäische Perspektiven bei den Projekten systematisch miteinander verbunden werden.

Bei aller konzeptionellen Vorarbeit geht es um mehr als neue Ideen und Formate. Lemme schlug den Bogen zum Soziologen Niklas Luhmann: Veränderung sei in starren Systemen mit eingespielten Ritualen und Machtmustern unwahrscheinlich. Seine Vision: „Wir wollen einen Gesprächsraum schaffen, der zum Handlungsraum wird.“ Das Ziel sei ein offener Aufbauprozess, der es aushält, dass nicht alles von vornherein feststeht. Programm, Bau und Organisation sollen Hand in Hand wachsen. „Wir haben viel vor“, sagte Wieloch und lud dazu ein, diesen Prozess aktiv zu begleiten. 

So wurde aus dem Jahresempfang ein Abend der Zuversicht. Denn die (Vor-)Freude auf das Projekt war deutlich zu spüren. Das Zukunftszentrum ist eine große Chance für die Stadt Halle (Halle) und die gesamte Region.

© Zukunftszentrum | Anna Kolata

www.annakolata.de/