Von Amsterdam bis Zukunftszentrum
Zwölf Studierende der Universität Amsterdam diskutierten in der vergangenen Woche mit Mitarbeitenden des Zukunftszentrums über deutsche Einheit, europäische Geschichte und die Architektur der Begegnung.
Im Rahmen einer Bildungsreise trafen sich in der vergangenen Woche zwölf Studierende sowie drei Mitarbeitende der Universiteit van Amsterdam (UvA) mit einem Teil des Teams vom Zukunftszentrum. Der Ausflug nach Deutschland ist Teil des Curriculums von „Duitslandstudies“, einem Masterstudiengang Geschichte mit zeitgenössischer deutscher Gesellschaft und Kultur als Schwerpunkt.
Es ging um Demokratie in Ost- und Westdeutschland und führte die Studierenden eine Woche lang an unterschiedliche historische und kulturelle Stätten. Eine Besonderheit der Reise waren die sogenannten „Zugseminare“, in denen die Fahrtzeit genutzt wurde, um die einzelnen Etappen intensiv vorzubereiten. Von Amsterdam führte es die Gruppe zunächst nach Bonn ins Haus der Geschichte. In Leipzig besuchte sie das Zeitgeschichtliche Forum und das GRASSI Museum.
In Halle (Saale) traf die Gruppe nach einem Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“ im Lichthaus auf Kevin Breß und Lotte Caudri vom Zukunftszentrum.
Für viele der Studierenden war es der erste Besuch in den neuen Bundesländern, wo ihnen die noch immer große Relevanz der Ost-West-Thematik bewusst wurde. „Es ist wirklich spannend, dass die deutsch-deutsche Geschichte noch nicht abgeschlossen ist“, fasste ein Student seine Beobachtungen zusammen.
Im Zentrum des Austauschs stand nicht nur die Vergangenheit, sondern vor allem die Zukunft: Die Visualisierung des Neubaus, mit dem RICHTER MUSIKOWSKI aus Berlin den internationalen Architekturwettbewerb für das am Riebeckplatz zu errichtende Gebäude für sich entscheiden konnten, wurde ausführlich besprochen.
Mit seinen knapp 60 Metern Höhe wird das Haus künftig das Stadtbild prägen und ein Ort für Kultur, Wissenschaft und Begegnung sein – ein Treffpunkt für alle in der Stadt und darüber hinaus. Dort setzten die Studierenden an und fragten: „Wie sorgt man dafür, dass sich alle eingeladen fühlen?“
Es entwickelte sich ein spannender Dialog über Erreichbarkeit und Teilhabe. Wie geht man auf Menschen zu, die – egal ob in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern – eher negative Transformationserfahrungen gemacht haben, sich gesellschaftlich abgehängt oder von der Politik im Stich gelassen fühlen? Auch über die Sichtbarkeit und Einbeziehung von Perspektiven ehemaliger Vertragsarbeiter oder Gastarbeiterinnen sowie von Menschen mit eigener oder familiärer Migrationsbiografie wurde gesprochen.
Initiiert wurde der Besuch von Hanco Jürgens, Dozent für Geschichte an der Universität Amsterdam, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Duitsland Instituut Amsterdam (DIA) und Fellow des Montesquieu Instituts.
Das DIA ist, verbunden mit der UvA, das Kompetenzzentrum für das moderne Deutschland in den Niederlanden und fördert Forschung, Bildung und gesellschaftlichen Austausch in einem europäischen Kontext.
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